Foto: Dos Winkel


Das Englische Lowestoft, früher der produktivste
Fischereihafen, heute ohne Fischer

Gelbflossenthunfisch
Gelbflossenthunfisch und Großaugenthunfisch können nach Meinung von Experten in drei bis fünf Jahren kommerziell ausgestorben sein, wenn die Jacht auf diese  Fische nicht kontrolliert wird

Irgendwann einmal wusste jedes englische Schuldkind, dass die Doggerbank einer der produktivsten Fischereigründe der gesamten Nordsee war, und Lowestoft der produktivste Fischereihafen. Die Zeiten haben sich durch die Überfischung geändert. Die Tiefseeflotte von Lowestoft gibt es nicht mehr. Es wird zu wenig gefangen. Im lokalen Fischrestaurant Captain Nemo stehen noch immer Fish and Chips, genau wie Kabeljau, Schellfisch, Flunder, geräucherter Hering und gebratener Thunfisch auf dem Menü. Aber die große Mehrheit stammt nicht mehr von den lokalen Fischern. Sie wird über den Großhandel angeliefert, wovon Michael Core der Eigentümer ist. Er sagt, dass er jeden Morgen die Hälfte seiner Zeit  damit verbringt, Fisch per Telefon zu regeln, den er doch irgendwann einmal direkt am Hafen eingekauft hat. Doch findet er sein Fach noch immer interessant. Er hat Fisch im Angebot von den Seychellen, Sri Lanka, Oman, Neuseeland und Australien. Kabeljau und Schellfisch kommen heutzutage aus Island. Der freie Handel und Europa importieren somit einfach, was sie brauchen. Der höchste Bieter gewinnt. Die Eroberung aller anderen Meere und Ozeane dauert schon eine Weile an. Die Geschichte wiederholt sich. Das Leben geht einfach weiter in Lowestoft.

Da Europa sich nun seiner eigenen Gewässer entledigt hat, verwüstet es nun alle anderen Weltmeere. So sind nun die europäischen Fischer damit beschäftigt, den Großaugenthunfisch im Indischen, Atlantischen und Stillen Ozean auszurotten. Und noch immer erhält die Fischerei in Europa Subventionen. Der Erhalt der Zugangsrechte zu den afrikanischen Gewässern kann gleichgestellt werden mit Neokolonisation. Europa ist der größte Plünderer der Ozeane, so Umweltredakteur Charles Clover.